Ort mit Verantwortung
Der Erhalt und die Inwertsetzung der Denkmalsubstanz bleiben Grundlage jeder Entwicklung. Das Denkmal ist nicht Hindernis, sondern Potenzial und identitätsstiftender Ausgangspunkt der Transformation.
Die Perspektivstudie zielt explizit auf die Verhinderung des Rückbaus oder Abrisses der Denkmalsubstanz
des Bogensee-Areals. Nachhaltigkeit bleibt bei der Entwicklung durchgängiges Prinzip – ökologisch, ökonomisch, sozial. Die Entwicklung orientiert sich am Gemeinwohl und an gesellschaftlicher Verantwortung gegenüber Gemeinde und Region.
Lektionsgebäude
Das ehemalige Lektionsgebäude steht auf einer Anhöhe und überragt das gesamte Areal der früheren FDJ-Jugendhochschule. Die Klarheit und Symmetrie des Gebäudes betonen seine Bedeutung als Zentrum der Ausbildung. Dort befanden sich die Seminarräume, die Bibliothek sowie ein Hörsaal mit mehr als 500 Plätzen. Letzterer fiel am 21. Januar 2026 einem verheerenden Großbrand zum Opfer.
Die hochschuleigene Bibliothek lag im Erdgeschoss des Lektionsgebäudes. Mitte der 1980er Jahre umfasste ihr Bestand über 50.000 Bände sowie rund 80 Zeitschriften und Zeitungen.
Im Lektionsgebäude der FDJ-Jugendhochschule wurden die angehenden politischen Kader für die Jugend- und Pionierverbände ausgebildet. Der Unterricht folgte der ideologischen Ausbildung, und obwohl das Fächerangebot im Laufe der Zeit variierte, bildete die Beschäftigung mit den „Klassikern des Marxismus-Leninismus“ den Kern des Studiums. Ab 1958 begannen die sogenannten internationalen Lehrgänge. Ab diesem Zeitpunkt kamen jährlich bis zu 500 Jugendliche aus „befreundeten“ Ländern, aber auch aus westlichen Ländern wie der Bundesrepublik Deutschland in die Schule an den Bogensee. 1981 gab der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt im großen Hörsaal eine Pressekonferenz anlässlich seines DDR-Besuchs.
Quelle: Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) e. V., auf bogensee-geschichte.de
Kulturhaus
Mit seiner Freitreppe, dem Säulengang und der Dachterrasse ist das Kulturhaus ein architektonisch markantes Gebäude und schließt das Gelände der Jugendhochschule im Südwesten ab. Eine Sichtachse führt von hier über die Parkanlage zum Lektionsgebäude.
Die Begegnung mit „sozialistischer Kultur“ war Teil des Bildungsprogramms. Das 1955 fertiggestellte Kulturhaus bildete das Zentrum zahlreicher organisierter und von Studierenden gestalteter Angebote. Tagsüber Mensa, abends Veranstaltungsort, war es mit Restaurant und Sitzgelegenheiten ein beliebter Treffpunkt.
Das kulturelle Leben diente der politischen Bildung. Lesungen, Filmabende, Konzerte und Vorträge standen auf dem Programm, mit Künstlerinnen und Künstlern, wie Stephan Hermlin, Brigitte Reimann, Konrad Wolf, Gisela May und Eva-Maria Hagen. Veranstaltungen und Diskussionen boten Abwechslung, sollten aber zugleich politische Überzeugungen festigen.
Quelle: Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) e. V., auf bogensee-geschichte.de
Wohnheim
Die mehrgeschossigen Gebäude beherbergten die Wohnheime der ehemaligen FDJ-Jugendhochschule der DDR. In ihnen wohnten die Studierenden in Mehrbettzimmern sowie einige Mitarbeitende der Jugendhochschule.
Nach der Schließung der Jugendhochschule wurden die Wohnheime Anfang der 1990er Jahre als Hotelanlage genutzt. An die Hotelanlage erinnern noch heute Schilder, wie etwa die Bezeichnung „Reggio di Calabria“, die von außen am ehemaligen Wohnheim angebracht sind.
Zuletzt dienten die Gebäude Anfang der 2000er Jahre als Unterkunft für Einheiten der Bundespolizei, die in Berlin im Einsatz waren.
Quelle: Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) e. V., auf bogensee-geschichte.de
Waldhof (ehemaliger Landsitz des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels)
Joseph Goebbels ließ den sogenannten Waldhof 1939/40 errichten. Das eingeschossige Gebäudeensemble am Westufer des Bogensees besteht aus einem repräsentativen Haupthaus und zwei Nebengebäuden, die zur Unterbringung des Personals und des Fuhrparks dienten. Die Baukörper samt der äußeren Gestaltung mit typischen Elementen der 1930er Jahre sind bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben und stehen seit 1996 unter Denkmalschutz.
Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete die Freie Deutsche Jugend (FDJ) in den unversehrt gebliebenen Gebäuden eine Schule ein. Auch nach der Erweiterung des Schulareals in den 1950er Jahren wurden die Gebäude von der Jugendhochschule genutzt. In den Gebäuden gab es unter anderem Apartments für Gäste der Jugendhochschule sowie ein Lebensmittelgeschäft für den FDJ-Jugendhochschulcampus.
Heute befindet sich in einem der Nebengebäude eine Waldschule, während die anderen beiden Gebäude leer stehen.
Quelle: Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) e. V., auf bogensee-geschichte.de
Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gesucht
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